Dienstag, 10. April 2018

Ostertraditionen

Über Ostern traf sich meine Gastfamilie mit ihrer Tochter, die in Irland im Austausch ist, weshalb ich diese Tage bei ihren Verwandten in Palinovec verbrachte. Der Bruder meines Gastvaters lebt dort mit seiner Frau und drei erwachsenen Kindern, ausserdem auch noch mit den Grosseltern (was in Kroatien recht üblich ist). Diese Familie zeigte und erklärte mir all ihre Traditionen für Ostern (wovon es wirklich viele gab!), ihren wichtigsten Feiertag des Jahres.

Da die Familie sehr religiös ist, gingen sie jeden Tag, wie auch schon für Weihnachten, in die Kirche (also Gründonnerstag, Karfreitag, Samstag, Osteronntag). Es war aber recht spannend, weil die Gottesdienste wegen Ostern etwas spezieller waren. Am Karfreitag etwa fand die Messe um 15 Uhr statt, weil es geglaubt wird, dass Jesus um diese Uhrzeit am Kreuz starb. Keine Kirchenglocken läuteten an diesem Tag und auch die Orgel spielte nicht, weil es als der traurigste dieser Tage angesehen wurde. Symbolisch wurde Jesus' Kreuz durch die Kirche getragen und danach von allen Kirchengängern der Reihe nach geküsst. Bis am Samstag wurde dieses Kreuz dann ständig von den Feuerwehrmännern bewacht.
Am Samstagsgottesdienst dann hielten zunächst alle nur ein Kerzenlicht in der Hand. Am Ende der Messe wurde dann bereits die Auferstehung von Jesus gefeiert, und demnach spielte auch die Orgel wieder und die Kirchenglocken läuteten.
Am Sonntagmorgen fand dann der "übliche" Sonntagsgottesdienst statt, um Jesus' Auferstehung zu feiern.

Kirchengänge waren aber nicht die einzigen Ostertraditionen, die in Međimurje gängig sind (auch wenn es wirklich für ALLE normal ist, so viel in die Kirche zu gehen!). Am Freitag färbten wir Eier, und das auf verschiedene Arten: Einige kochten wir lange Zeit in Rotwein, worauf sie dann eine schwarz-violette Farbe annahmen, andere färbten wir mit in Wasser aufgelösten Farben und einige verzierten wir noch mit Serviettentechnik.

bunte Eier am färben
links die im Wein gekochten, rechts die von uns gefärbten Eier
Am Samstag fand dann nochmals eine spezielle Tradition statt, nämlich das Segnen vom Essen. Dafür gingen wir nachmittags in die Kirche, mit Körben gefüllt mit Essen für das Osterzmorgen am Sonntag. In einem Korb befand sich typischerweise međimurischer Schinken, "perec" (ein süsses Gebäck, welches sehr ähnlich wie Zopf ist und nur an Ostern gegessen wird), gekochte Eier und Meerrettich.

der Korb gefüllt mit Essem für den Ostersonntag

In der Kirche stand also dann jede Familie mit ihren Körben, die Kinder mit kleinen Körbchen gefüllt mit Schokolade. Der Priester kam und segnete das Essen mit Weihrauch. Dies dauerte nur etwa 10 Minuten, war also nicht wie ein richtiger Gottesdienst. All dieses Essen, welches für das Ostersonntagsfrühstück gesegnet wurde, musste dann auch aufgegessen werden.

in der Kirche wird auf die Segnung des Essens gewartet
Nach dieser Segnung besuchten wir noch Verwandte der Familie, und überall, wo wir zu Besuch waren, wurde uns perec (dieses typische Zopfbrot) angeboten. Am Samstagabend nach dem Gottesdienst wurde dann bereits die Auferstehung von Jesus gefeiert. In jedem Dorf sollte deshalb ein grosses Feuer angezündet werden. Da es aber leider geregnet hatte, konnte das Feuer nicht entfacht werden. Trotzdem trafen wir Jugendlichen uns in Palinovec zum čevapći grillieren und abendlichem Kartenspielen.

hier hätte das Feuer angezündet werden sollen
Am Ostersonntag dann assen wir das Osterzmorgen mit unserem gesegneten Essen, wobei der grösste Stolz der eigene međimurische Schinken war :)

Schinken und gekochte Eier

perec
Danach ging es in die Sonntagsmesse, nachher wurde bereits wieder Zmittag gegessen. :D

feines Dessert: "štrukli", typischer kroatischer Strudel
Abends waren wir dann bei Verwandten zum Znacht (was für eine Überraschung, schon wieder zum essen :D) eingeladen.
Ich kann jedenfalls nicht behaupten, dass ich Hunger leiden musste über diese Tage! Tut mir leid, falls euch die Fotos vom Essen jetzt auch hungrig gemacht haben... :)
Es war superspannend, međimurische Ostern zu feiern, und ich verbrachte eine schöne Zeit bei den Verwandten meiner Gastfamilie (welche die ganze Zeit Angst hatten, dass ich nebst dem vielen Essen immer noch hungrig sei und sowieso viel zu dünn sei und mehr essen müsste - eine typische Angewohnheit der Kroaten eben :D).

Donnerstag, 29. März 2018

Dan Palinovca

Jedes Jahr mitte März findet ein spezieller Festtag in Palinovec statt, nämlich der "Dan Palinovca", also der Tag des Dorfes Palinovec. Bereits etwa einen Monat vorher gingen meine Gastschwester und ich regelmässig an Tanzproben, um uns auf diesen Tag vorzubereiten. Denn es ist Tradition, dass die Jungen des Dorfes traditionelle Tänze aufführen, gekleidet in međimurische Trachten. An diesen Tanzproben studierten wir also knapp 10 traditionelle Lieder ein, zu denen immer zu zweit oder im Kreis getanzt und selbstverständlich auch gesungen wurde.
Und dann, vorletzten Samstag, war es schliesslich so weit: Der Dan Palinovca stand vor der Tür! Normalerweise findet an diesem Tag eine Messe in der kleinen Kirche des Dorfes statt, und dann würden wir in den traditionellen Trachten durch das Dorf laufen und zum Schluss unsere Tänze aufführen. Leider wollte das Wetter aber nicht mitspielen, deshalb mussten wir den Umzug durch das Dorf auslassen.
Es kam also nachmittags eine Frau zu uns nach Hause, die uns in die Trachten einkleidete. Was definitiv nötig war, denn ich hätte keine Chance gehabt, diese Tracht alleine anzuziehen! Um Glorija und mich einzukleiden, benötigte die Frau dann auch je eine halbe Stunde. Zuerst mussten mindestens fünf Unterröcke umgebunden werden, dann kam der richtige Faltenrock darüber. Sobald man diesen anhatte, durfte man sich nicht mehr setzen (aufs WC gehen ganz zu schweigen). Danach war ein Oberteil mit Pufferärmeln an der Reihe, zum Schluss nach das "Tibet", ein farbiges und bedrucktes Tuch. Für die Frisur wurden uns Zöpfe geflochten, ganz wie früher, als diese Trachten wirklich noch regelmässig angezogen wurden.

langdauernde Einkleidung
der Faltenrock von hinten, auf den so gut aufgepasst werden muss

Glorija und ich fertig angekleidet (wegen der vielen Unterröcke sehen wir so breit aus - so viel habe ich dann hier auch nicht zugenommen :))

Nach dieser ganzen Prozedur konnte der Dan Palinovca also endlich beginnen! Das Programm fand in einem kleineren Saal im Dorf statt. Auch die Schule des Dorfes hatte mit den Schülern etwas vorbereitet, und es wurden ausserdem noch einige Reden gehalten und Preise verleiht. Zum Schluss stand dann unsere Vorführung an (wegen dem Faltenrock hatten wir während dem Programm davor die ganze Zeit stehen müssen! Auch sonst war die Tracht übrigens nicht sehr bequem, es fühlte sich ein bisschen wie ein Korsett an, und ich war ehrlich gesagt recht froh, als ich wieder meine eigenen Kleider tragen konnte :)). Wir waren fünf Paare, und vier Musiker spielten zu den Liedern, die wir tanzten und sangen.







Nach der Vorführung fand ein Abendessen statt (welches wir dann aber zum Glück sitzend und wieder in unseren eigenen Kleidern geniessen konnten), und danach das obligatorische Fest, weil man in Kroatien einfach zu feiern liebt!

die Livemusik für das Fest

nach dem Essen wird natürlich zu der Musik getanzt
einige Kolleginnen aus Palinovec, Glorija und ich
Es war interessant, an diesem Abend etwas über all diese Traditionen zu erfahren. Nicht in jedem Dorf findet so ein Tag statt, und ich hatte Glück, hier in Palinovec selbst daran teilnehmen zu können! Und natürlich war es ein ganz spezielles Gefühl, međimurische Tänze in einer kroatischen Tracht aufzuführen! Das war für mich einer von diesen Momenten, in denen man weiss, dass es sie einfach nur einmal im Leben gibt. An diesen Tag werde ich mich bestimmt noch lange erinnern, es gehört definitiv zu den Highlights, die ich hier erlebt habe!

Dienstag, 27. Februar 2018

Maškare - die Fasnacht in Kroatien

Obwohl natürlich immer irgendetwas am laufen ist, kann ich im Moment nicht behaupten, dass sich gerade allzu viel Nennenswertes ereignet. Aber auch hier gab es kürzlich einige spezielle Events wegen der Fasnacht. Kroatiens grösste Fasnacht findet in Rijeka statt (die Stadt am Meer, welche ich einmal besucht habe), wo die Festlichkeiten über mehrere Tage lang andauern.

Wir aber gingen am Wochenende nach Hodošan (das Nachbardorf), wo ein kleiner Fasnachtsumzug stattfand, an dem auch mein Gastbruder teilnahm. Wie bei uns auch, begleiteten Blechbläser den Umzug, welcher dann aus verschiedenen Gruppen bestand. Eine Gruppe (der Kindergarten meines kleinen Gastbruders war eine davon) verkleidete sich einheitlich, und am Schluss wurde der Gruppe mit den besten Kostümen einen Preis erteilt. Es wurde ausserdem Glühwein getrunken und Krafne, also kroatische Berliner, gegessen (anstelle der Fasnachtsküchlein bei uns). :P


Auch in der Schule gab es einen Tag, an dem sich alle Schüler verkleiden konnten. Eine Lektion lang legten dann einige Schüler kroatische Musik auf, zu der getanzt wurde, wobei am Schluss die Personen mit der kreativsten Verkleidung ausgesucht wurden.


Ansonsten ereignet sich gerade wirklich nicht besonders viel hier. Die einzigen speziellen Ereignisse sind die Geburtstage, die hier ja immer recht gross gefeiert werden. Gerade dieses Wochenende feierten also zwei Mädchen aus meiner Klasse ihren 18. Geburtstag. An dem Fest spielte eine Band und es wurde die ganze Nacht lang getanzt zu der typischen kroatischen und serbischen Balkanmusik.
Ich geniesse also einfach meinen Alltag hier, da ich ja viel Freizeit habe und fast nichts zu tun für die Schule. :)

Sonntag, 11. Februar 2018

Midstay in Belgrad

Ich kann es kaum glauben, dass ich bereits fünf Monate hier bin, es hört sich einfach immer noch unwirklich für mich an! Die Hälfte meines Austauschjahres ist bereits vorbei, und langsam bemerke ich, dass meine verbleibende Zeit hier wohl auch unglaublich schnell vergehen wird!
Ganz spontan erfuhren wir, dass unser Midstay-Camp in Belgrad (also der Hauptstadt von Serbien, für alle die sich hier nie ganz sicher sind, genauso wie auch ich, bevor ich ging :)) stattfinden würde. Mit ganz spontan meine ich wirklich spontan: Am Montagabend wurde uns mitgeteilt, dass wir am Donnerstag, also in drei Tagen, unseren Bus von Zagreb nach Belgrad hättten! Trotzdem freute ich mich natürlich darüber, weil mein ja nicht alle Tage die Möglichkeit bekommt, nach Serbien zu reisen!

Am Donnerstag trafen wir Austauschschüler aus Kroatien (wir sind jetzt noch zu sechst) uns also in Zagreb und wurden nach Belgrad chauffiert. Das war gerade einmal eine vier- bis fünfstündige Autofahrt, es ist also recht gut machbar. Auf der Fahrt war kaum mehr sichtbar als endlose Felder, ab und zu noch einige Wälder dazwischen. Dann, wie aus dem nichts, erreichten wir Belgrad, eine Millionenstadt doppelt so gross wie Zagreb.
Am Freitag konnten wir dann die Stadt besichtigen, denn AFS Serbien hatte uns eine Stadtführung organisiert. Belgrad hat einige sehr schöne Attraktionen zu bieten: Am besten gefiel mir der "Hram svetog Save", der "Dom des Heiligen Sava", der so etwas wie das Wahrzeichen Belgrads ist. Es ist eine serbisch-orthodoxe Kirche, und zwar nicht nur irgendeine, sondern die grösste Südosteuropas und dazu noch eine der grössten orthodoxen Kirchen der Welt!

Hram svetog Save
Im Inneren ist die Kirche noch gar nicht fertiggestellt, denn der Bau hat sich aufgrund der vielen Kriege immer wieder verzögert. Nur ein Raum ist bereits vollendet, und er war wirklich überall wunderschön mit Blattgold und Mosaiken verziert!

so soll am Schluss die gesamte Kirche aussehen...
im Moment wird hier aber alles erst gebaut
Wir besichtigten natürlich auch noch einiges mehr, darunter eine Festung von wo aus man einen schönen Blick über die Stadt hatte.





das Parlament

Allgemein ist aber schon recht gut zu bemerken, dass der Lebenstandard im Vergleich zu Zagreb immer noch etwas niedriger ist. Viele Häuser, auch im Zentrum, sind eher heruntergekommen und die Trams und Busse haben schon bessere Zeiten gesehen.

Zentrum
Es ist recht gut spürbar, dass der Krieg hier gerade einmal knappe 20 Jahre zurückliegt und sich die Stadt von alldem immer noch am erholen ist (Belgrad war ja auch die Hauptstadt Jugoslawiens).
Im Hotel trafen wir einen Abend zum Beispiel auf einige schon recht betrunkene Männer, die hörten, dass wir Kroatisch sprachen. Sie begannen davon zu erzählen, dass Kroatien ja eigentlich gar kein eigenständiger Staat sei, sondern dass das alles zu Serbien gehöre. Es gibt halt immer noch Leute, die sich von den Ideen vor 20 Jahren noch nicht losgelöst haben.
Trotzdem alldem war es natürlich sehr spannend, die Stadt zu besichtigen, und sich selbst einen Eindruck davon machen zu können!

Den Rest des Wochenendes verbrachten wir im Hotel mit AFS-Workshops von AFS Serbien. Dabei lernten wir die 20 Austauschschüler in Serbien kennen, was natürlich auch wieder sehr interessant und unterhaltsam war. AFS Serbien ist im Vergleich zu AFS Kroatien ein rechtes Stück grösser, sie haben ja schliesslich auch dreimal so viele Austauschschüler.
Das gesamte Camp wurde in Serbisch durchgeführt, was für einige unserer Gruppe eine rechte Herausforderung war (es gibt immer noch die Austauschschüler, die sich ausschliesslich auf Englisch unterhalten). Allgemein lässt sich aber sagen, dass es überhaupt kein Problem ist, Serbisch zu verstehen, falls man Kroatisch spricht. Abgesehen von einigen minimalen Unterschieden bei der Aussprache und Betonung (wie etwa snijeg/sneg - Schnee, oder lijepo/lepo - schön), und einer Handvoll von verschiedenen Wörtern, sind die beiden Sprachen wirklich identisch! Der einzige wirkliche Unterschied, der sich feststellen lässt, ist das kyrillische Alphabet. Im Serbischen wird beides, also das lateinische und kyrillische Alphabet benutzt, im Kroatischen nur das Lateinische. Da wir ja zur Verständigung aber kein Alphabet benötigten, konnten wir uns problemlos unterhalten.

kyrillisches Alphabet
Es war wirklich sehr spannend, mit diesem Besuch auch mehr über die Geschichte des Balkans und der heiklen Beziehungen zwischen Kroatien und Serbien zu erfahren. Ausserdem ist mir erst dann richtig bewusst geworden, dass ich meine übrig bleibende Zeit hier noch geniessen muss, bevor dann auch die zweite Hälfte meines Austausches bereits zu Ende gehen wird!
 

Samstag, 20. Januar 2018

Neues Semster, neuer Alltag

Die erste Schulwoche habe ich bereits hinter mir. Bevor aber die Schule nach den Weihnachtsferien wieder begann, feierten die Jugendlichen aus Palinovec am Samstagabend noch ein Fest wegen der Ferien, bei dem ich natürlich nicht fehlen durfte. Denn die kroatische Band "Fortuna" spielte dort live, mir wurde gesagt, dass sie sonst üblicherweise an Hochzeit auftreten. Wir tanzten deshalb an diesem Abend die ganze Nacht durch traditionelle kroatische Tänze, wie man es ansonsten bei Hochzeiten so macht. Die Stimmung war ausgelassen, alle (ausser mir) kannten die Lieder und sangen lautstark mit.
Das Highlight war, als die Gruppe um 2 Uhr in der Nacht zu meinem Gastvater nach Hause ging, um ihm vorzuspielen! Denn er wollte die Band unbedingt hören, war aber nicht zu dem Fest eingeladen gewesen, das eher für die jüngeren Generationen war. :) Nichtsahnend wurde er also zu Hause von der Band und einer Horde Partygäste überrascht, und freute sich darüber so sehr, dass er beinahe zu weinen begann. Das Fest wurde also in unserem Wohnzimmer weitergeführt, ich weiss ja nicht, wie sehr sich meine Gastmutter darüber freute... :D
(Das erste Video ist in dem Partyraum, das zweite in unserem Wohnzimmer)

 
 

Am Montag begann dann die Schule wieder. Dieses Semester werde ich neu nachmittags Schule haben, und nicht mehr wie vorher nur morgens. Das heisst, dass mein Schulbus um 12 Uhr in Palinovec abfährt, ich bis um 19 Uhr Lektionen habe, und dann etwa um 20:30 Uhr zurück zu Hause bin. Wir 3.-Klässler sind der einzige Jahrgang, der am Nachmittag in der Schule ist, deshalb haben wir glücklicherweise das Schulhaus für uns alleine.
Eigentlich gefällt mir diese Umstellung recht, denn so habe ich natürlich den ganzen Morgen für mich Zeit. Und da ich nicht so viel lernen muss wie meine Klassenkameraden, habe ich grösstenteils einfach Freizeit. :) Es ist aber schon etwas komisch, am Abend noch bis 19 Uhr Schule zu haben. Zudem fährt der Schulbus danach erst um 19:45 Uhr, weshalb wir immer noch etwa eine halbe Stunde Zeit haben, mit der wir nicht wirklich etwas anfangen können.

In der Schule bemerke ich jetzt nach drei Wochen Ferien schon, dass es mir bereits wieder leichter fällt, alles zu verstehen und mich auf Kroatisch zu verständigen. Ich muss zugeben, dass Mathe hier zu meinem Lieblingsfach geworden ist. :) Es ist das Fach, in dem ich am wenigsten auf die Sprache angewiesen bin, weil es sich ja grösstenteils um Zahlen dreht. In anderen Fächern wie etwa Geschichte, wo ich immer noch nicht viel verstehe, habe ich meine eigenen Bücher, um Kroatisch zu lernen, sodass ich nicht eine Lektion lang nichtstuend herumsitzen muss.
Ich habe mich also bereits wieder an meinen neuen Alltag hier gewöhnt!

Palinovec, als es dann einmal ein wenig Schnee hatte

grösstenteils aber eher frühlingshaftes Wetter

Samstag, 6. Januar 2018

Weihnachten einmal anders

Um ehrlich zu sein, war Weihnachten hier vor allem von etwas geprägt: Nämlich den Kirchenbesuchen und viel Essen!
In der Schule hatten wir am 23. Dezember, dem letzten Schultag vor den Festtagen und Ferien, noch einen Weihnachtsbasar. Jede Klasse hatte sich etwas ausgedacht und vorbereitet, also zum Beispiel Getränke, Essen, Gebasteltes, etc., und hatte ihren eigenen Stand. Das gewonnene Geld wurde an eine Organisation gespendet.

Sajam - Verkaufstände in jedem Schulzimmer

Am Morgen des 24. Dezembers ging ich dann mit meiner Gastfamilie in die Kirche, den restlichen Tag verbrachten wir zu Hause. Anschliessend besuchten wir um 24 Uhr den Mitternachtsgottesdienst. Ich verstand nicht besonders viel davon und musste mir ehrlich gesagt recht Mühe geben, nicht stehend einzuschlafen :) (die Kirche war so voll gewesen, dass wir nur noch Stehplätze bekommen hatten). Nachdem die Messe dann zu Ende war, gratulierten wir allen Bekannten und Verwandten mit "Sretan Božić" (Fröhliche Weihnachten).

Zu Hause konnte meine supergeduldige Gastschwester kaum mehr darauf warten, die Geschenke auszupacken. Während also der Rest meiner Gastfamilie bereits schlief, öffneten wir unsere Weihnachtsgeschenke (es war schliesslich schon der 25. Dezember). :)


Wir bekamen beide viele Süssigkeiten, ich glaube, mein Vorrat wird noch bis zu meiner Abreise hin reichen!
Am 25. Dezember, während Glorija und ich noch am schlafen waren, packte der Rest meiner Gastfamilie ihre Geschenke aus.

Geschenk für meine Gasteltern: Guetzli, die ich zusammen mit einer Kollegin gebacken habe
Danach ging es, was für eine Überraschung, abermals in den Gottesdienst!

zum Zmittag überraschte mich meine Gastmutter mit selbstgemachter Rösti :P
Am Nachmittag besuchten wir beide Grosseltern, wo auch der Rest der Verwandtschaft war. Wir assen natürlich viel, ein traditionelles Gericht hatten wir aber nicht.
Eine spezielle Tradition möchte ich aber noch erwähnen: Am Abend des 24. Dezembers rief mich meine Gastmutter herunter, der Rest meiner Familie kniete bereits auf dem Küchenboden. Sie hatten einen Sack mit Stroh gefüllt, der in der Mitte lag. Etwa 10 Minuten lang wurde gebetet, danach legten wir den Strohsack unter den Küchentisch, wo er bis am 26. liegen blieb. Diese Tradition sei anscheinand so, weil Jesus in einer Krippe lag, in der Stroh gewesen war.

Der 26. Dezember war hier dann auch noch ein recht wichtiger Tag, weil der Namenstag Stefan gefeiert wurde. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich es schon einmal erwähnt habe, aber hier werden viele Namenstage gleich gefeiert wie auch Geburtstage, man ist also eingeladen und isst gut. :) Unsere Familie war bei ihren "Kums" eingeladen. Ein "Kum" hat eigentlich jede Familie, und es ist so etwas wie eine Göttifamilie, die eine andere Familie bei der Hochzeit, Taufe, Firmung, etc. in der Kirche begleitet.

Diese Weihnachten war einfach einmal anders, und es gefiel mir (auch wenn ich mich natürlich freue, nächstes Jahr wieder mit meiner Familie zu feiern :)).

Freitag, 15. Dezember 2017

Der Advent

Schnee hatte es bis jetzt zwar noch nicht richtig, aber trotzdem genoss ich meine ersten zwei Adventswochen hier sehr! Das erstes Adventswochenende verbrachte ich in Zagreb. Und nicht umsonst wurde Zagreb zur schönsten europäischen Stadt im Advent ernannt! Das gesamte Zentrum ist wunderschön dekoriert, es gibt mehrere Weihnachtsmärkte und eines der grössten Highlights ist sicherlich das riesige Schlittschuhfeld auf dem "Tomislavov trg" - dem Tomislav-Platz. Ich war zwar noch nicht Schlittschuhlaufen darauf, aber es steht definitv noch auf meiner To-Do-List für den Advent!

1. Advent
Schlittschuhfeld
Weihnachtsdekoration überall

Am 6. Dezember war dann der Samichlaustag, hier "Sveti Nikola" genannt. In meinen Stiefeln (also eigentlich deinen, Mama :)) bekam ich als Überraschung, wie es hier Tradition ist, Süssigkeiten. Am Sonntag des nächsten Wochenendes wurde der 6. Dezember dann auch noch im Dorf gefeiert: Zuerst mit einer Aufführung der Primarschüler von Palinovec, danach kam der Sveti Nikola (also eigentlich der Bruder meines Gastvaters) mit dem Krampus (so etwas wie dem Schmutzli, nur dass er hier wie ein Teufel aussieht). Es wurde Glühwein getrunken und wir assen Langoš, eine ungarische Spezialität, die man hier auch auf jedem Adventsmarkt findet.

mit dem Sveti Nikola und dem Krampus
Langoš :P

Guetzli backen mit Biljana und Karol
Am Samstag des zweiten Adventswochenendes dann ein weiteres Highlight: Ich konnte mit Biljana und Glorija für einen Tag nach Budapest gehen! Eigentlich war ich recht überrascht, dass wir diese Reise unternehmen würden, denn meine Gastfamilie ist nicht unbedingt ein Fan von Ungarn (was wohl noch eine ziemliche Untertreibung ist). Denn obwohl wir sehr nahe der Grenze wohnen, also vielleicht gerade einmal eine 20-minütige Autofahrt entfernt, gehen sie eigentlich nie nach Ungarn. Niemand meiner Gastfamilie war schon einmal in Budapest, und mein Gastvater wollte auch gar nicht mitkommen, denn er meinte, dass er generell alle Ungaren hasse. Ich freute mich aber natürlich trotzdem sehr darauf!
Budapest ist nicht sonderlich weit entfernt von hier, weil wir ja, wie gesagt, sehr nahe an der ungarischen Grenze wohnen. So konnten wir mit einem Bus morgens um 5 Uhr gehen und waren bereits um 9 Uhr dort! Auf der Busfahrt fuhren wir einen Grossteil dem Balaton (dem grössten See Ungarns) entlang. Ansonsten war nicht viel zu sehen, nebst Feldern nur hie und da ein eher heruntergekommenes Dörfchen.
Die beeindruckende Stadt konnten wir dann zusammen mit einem Führer und den anderen Besuchern per Bus und zu Fuss besichtigen, so war es uns möglich, relativ viel zu sehen. Gegen den Abend hatten wir nachher noch genug Zeit, um auf den Adventsmärkten (ja, es hat mehrere) Zeit zu verbringen und die wunderbare Weihnachtsstimmung zu geniessen. Es war auf jeden Fall einen Besuch wert!


Biljana, Ivana (Biljanas Schwester), ich, Glorija

ungarisches Gebäck, mmmh!

Glorija und ich
Auch wenn ich denke, dass die Adventszeit wohl eine der schwierigsten Zeiten hier ist, bin ich mir sicher, dass es gleizeitig auch eine der allerschönsten ist!
 


Abschlusscamp und anderes

Vor 2 Wochen fand unser AFS End-of-stay Camp statt - das letzte Mal, dass wir uns alle trafen, bevor wir uns am Flughafen vor der Abreise no...